(Mehr) Geld für Replicant

Die Free Software Foundation hat von der Firma Handshake eine Spende über rund 1 Mio. Dollar erhalten. Das Ansich ist schon lobenswert (Der Pineapple Fund hat ebenfalls 1 Mio. gespendet) aber Handshake hat auch angemerkt, wie es die Gelder verteilen möchte.

Was mich persönlich sehr freut ist die Tatsache, das für den Android Fork “Replicant” ca. 200.000 Dollar abfallen. Für die Weiterentwicklung und die Verbesserungen am System. Ich habe ja bereits hier erwähnt, das ich zur Zeit selbst ein Phone mit Replicant nutze. Das ist ein altes Samsung Galaxy S3, das ich geflashed habe und seitdem als meinen täglichen Begleiter nutze. Das Gerät ist von 2012. Es ist also auch auf diese Weise möglich immer neue Müllberge zu verhindern. Im Regelfall wird ein Smartphone ja alle 2 Jahre ausgetauscht. Für einen Teil der Materialien, die dort enthalten sind haben etliche Leute einen wirklich miesen Job zu machen. Stichworte sind da Sillizium und seltene Erden.

Ich gebe zu, das es gerade am Anfang..naja ein wenig schlechte Laune zwischen mir und dem Gerät gab. Das hat sich aber nach 2-3 Wochen in Luft aufgelöst und ich bin ziemlich zufrieden mit dem was ich habe. Klar ist das Gerät nicht neueste Hardware und manchmal hakt es auch und macht mal Sachen etwas langsamer als man vielleicht gewohnt ist, aber die Inhalte und die Tatsache, das dort keine Systeme in “Hintergrund” arbeiten gefällt mir sehr gut. Ja, ok…und es gibt keinen Wlan Treiber..who cares.

Nochmal zum Anfang: Mir fehlt bei solchen Spenden immer die Dimension. Wenn jemand eine Idee hat, ob 200.000 $ ein solches System weiterbringen oder nicht der möge sich bitte mal melden. Sicher ist nur, das dieses Geld nicht schadet und genau an der richtigen Stelle eingesetzt wird.

Ich freue mich schon auf neue Versionen oder eben auch Verbesserungen am System.

Links:

Blogpost von Richard Stallman

https://www.fsf.org/blogs/community/a-message-from-richard-m-stallman

1 Mio. Dollar von Handshake:

https://www.fsf.org/news/free-software-foundation-receives-1-million-from-handshake

Replicant:

https://replicant.us

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Die elektronische Gesundheitsakte auf dem Smartphone

Wie ich bereits Ende November vermutet habe, war die Gesundheitsapp der Krankenkassen “Vivy” Thema auf dem 35C3. Das ist der jährliche Kongreß des Chaos Computer Clubs zwischen Weihnachten und Silvester. In den letzten Jahren gab es dort immer wieder Vorträge zu Themen, die weit stärker in den Alltag eingreifen als man normalerweise annimmt.

Die Sicherheit der Ladesäulen für E-Autos war Thema, PC Wahl, die Software mit der unsere Wahlzettel nach der Bundestagswahl etc. übertragen werden und jetzt eben “Vivy” die elektronische Gesundheitsakte, die nach dem E-Health Gesetz 2021 zur Pflicht werden soll.

Im Logbuch Netzpolitik Podcast gab es dazu einen kleinen Abschnitt der bereits auf das Thema und die Brisanz die darin steckt hinwies. Hier noch der Link zu einem zweiten Bericht bei Logbuch Netzpolitik.

Um es kurz zu machen, die App scheint nicht die Sicherheit zu bieten, die man bei Patientendaten erwartet. Die Hersteller der App haben zwar in einigen Punkten nachgearbeitet, aber im großen und ganzen ist das Vertrauen in diese App mit dem Vortrag und den dort vorgestellten Lücken verschwunden.

Dazu kommt noch eine Grundsätzliche Frage bei mir auf:

Muss man denn Krankendaten überhaupt auf einem Smartphone mit sich herumtragen? Gerade im Android Segment gibt es zu viele Geräte, die einfach keine Security oder Betriebssystem Updates erhalten und damit pauschal als unsicher gelten. Und diesen schlecht gesicherten Maschine will/soll man nun hoch intime Daten speichern? Ich denke mal, dabei habe nicht nur ich ein schlechtes Gefühl.

Aktuell nutze ich ein Replicant Smartphone, das sich komplett aus freier Software speist und ebenso komplett ohne Google Dienste auskommt. Meine Apps beziehe aus dem F-Droid Repository, da kommt “Vivy” aber gar nicht erst rein, weil es nicht komplett (nicht mal in Teilen) frei ist.

Auch gibt es ja immer wieder Bedenken gegen Hardware Hersteller. Huawei zum Beispiel ist in einigen Ländern (z.B. USA) auf der No-Go Liste oder darf dort gar nicht verkauft werden. Da kann man eher wirtschaftliche Interesse vermuten, aber Fakt ist nunmal, das es Länder gibt die diese Hardware als unsicher einstufen. Huawei hat auch in Deutschland genug Geräte an den Kunden gebracht. Die diese dann mit ihren Patientendaten befüllen sollen. Wo bleibt denn da der Sicherheitsgedanke oder sind wir in der Zwischenzet so weit, das uns solche Sachen egal sind?

Ich denke auf jeden Fall, das man schnell anfangen sollte sich Gedanken zu machen wie und für welche Zwecke man Technik nutzen will. Zum Thema Gesundhetsakte habe ich noch einige Links zusammengestellt, die weitere Informationen bereit halten.

Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e-health-gesetz.html

Vortrag zu “Vivy” auf dem 35C3

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Nokia 3310 – Das Perfekte Sommerphone?

Wir waren dieses Jahr für 1 Woche an der Küste. Genauer gesagt in Ditzum, Ostfriesland. Ich hatte in diesem Jahr kein Bedürfnis, viel Technik mit mir herumzuschleppen, weil ich den Sommer und die Gegend genießen wollte ohne die ganze Zeit auf ein Phone oder einen Laptop zu schauen.

Deswegen stand fest, dass der Laptop zu Hause bleibt und mein Standard Phone, das Huawei Mate 9 ebenfalls. Den Ersatz lieferte Nokia mit dem 3310. Das Teil gab es gerade günstig bei Amazon und deswegen habe ich beschlossen es zu testen.

Eigentlich bringt das 3310 alles mit, was man für ein paar ablenkungsfreie Tage braucht. Die Kontaktdaten lassen sich vom Mate sehr schnell auf das Nokia exportieren. Noch eine 16GB MicroSD eingelegt und schon ist definitiv genug Speicherplatz vorhanden. Damit wäre das Handy dann auch schon einsatzbereit. Sim Karte einlegen, Datum und Uhrzeit einstellen und los geht es. Also eigentlich geht erstmal nichts los, denn es gibt keine Dienste, die einem Melden, was man alles verpasst hat. Sehr beruhigend! Natürlich habe ich meinem Umfeld schon vorher klar gemacht, dass ich während des Urlaubs auch nur per SMS oder eben Anruf zu erreichen bin. Seien wir mal ehrlich, wenn es wichtig wird, dann sind das eh die Optionen, die man nutzen sollte, ansonsten ist es eben nicht so wichtig.

Das Handling eines Handys dieser Bauart ist wirklich nicht mehr einfach und eine SMS zu schicken (früher konnte man ganze Romane auf dieser Tastatur in der Hosentasche schreiben) ist wirklich anstrengend. Zu verwöhnt sind die Finger des Smartphones On-Screen Tastaturen und seien wir mal ehrlich, das ist auch ok so. Telefonieren geht toll, ich glaube ich habe in dieser Zeit mehr mit Menschen gesprochen als sonst im Jahr.

Lasst uns noch über die Kamera reden. Das Ding macht 2 Megapixel und ist damit ziemlich aus der Zeit. Ich habe die Kamera trotzdem genutzt um ein paar Bilder zu machen. Allein Anhand der Werte sollte klar sein, das 2 MP nicht die Welt sind und die Bilder stark vergrößert pixelig werden. Für den professionellen Einsatz also nicht geeignet, für einen Schnappschuss auf die schnelle aber richtig gut, zumal das 3310 in der Hosentasche kaum auffällt. Allerdings muss man nach dem Auslösen des Bildes noch einen Atemzug warten und erst dann das Gerät wieder bewegen, weil die Bilder sonst alle leicht verwackelt sind. Die Bilder dann wieder auf einen Laptop oder Mac zu übertragen ist überhaupt kein Problem. Weder auf dem Mac noch unter Windows oder Linux gab es Probleme die Bilder zu übertragen. Das Ganze funktioniert als extremst kompatibel.

 

Fazit:

Das Teil ist klein, leicht und natürlich hält der Akku länger als bei den meisten Smartphones. Es ist ziemlich angenehm ein Phone in der Tasche zu haben, dass nicht alle 3 Minuten meint, einen über die Neuigkeiten der Welt informieren zu müssen. Allerdings gab es auch genug Situationen, bei denen ich gerne mal bei Google nahgeschlagen hätte oder mir den Weg auf Maps anschauen wollte. Das sind allerdings auch Reflexe, die im Laufe der Zeit vergehen. Wir waren im Anschluss noch ein paar Tage in Berlin, wo ich das Nokia auch im Einsatz hatte. Dort war alles schon wesentlich entspannter. Die Sucht hatte deutlich nachgelassen. Für ein paar Tage, in denen man seine Ruhe haben will, halte ich das Nokia 3310 für nahezu perfekt. Wer trotz allem qualitativ hochwertige Bilder haben möchte muss eine weitere Kamera mitnehmen. Denn das kann das Nokia nicht leisten. Ansonsten sind mit Snake, Bluetooth, einem paar Kopfhörer, der Radiofunktion und einem Mp3 Player alle Sachen an Board mit denen man ein paar Tage durchkommt. Deswegen eine klare Empfehlung!

 

Hier gibt es das Nokia 3310 bei Amazon

 

Alle Fotos mit dem Nokia 3310 gemacht.

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