Warum Huawei jetzt 2 historische Chancen hat.

Warum Huawei jetzt 2 historische Chancen hat

Die Preise der Geräte sowie die Verkaufszahlen von Huawei sind auf dem Weg nach unten. Seitdem die Firma zu einem Spielball im Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China geworden ist vergeht kaum ein Tag ohne Meldungen, was die Huawei Smartphones demnächst alles nicht mehr können.

Da gibt es Meldungen die davon sprechen, das Huawei Nutzer keinen Zugriff mehr auf den Google Play Store haben, das WhatsApp und die Facebook App nicht mehr laufen, das die Geräte Android nicht mehr nutzen dürfen usw.

Ersteinmal gelten die meisten Regelungen nicht für Geräte, die bereits im Verkauft oder eben gelagert sind. Heißt, alles was bereits produziert wurde ist sicher mit Android ausgestattet und erhält ebenfalls alle Apps und sogar noch Sicherheits-Updates von Google. Bei neuen Geräten, also die Geräte die noch vorgestellt werden, ist die Lage anders. Und genau diese Geräte bieten eine Chance für Huawei, die nicht viele andere Firmen bekommen.

Das eigene OS

Gerüchteweise hat Huawei schon länger an einem eigenen Betriebssystem auf Android-Basis gearbeitet. Als Name wanderte dabei Hong-Meng OS durchs Netz. Huawei selbst äußerte vor wenigen Tagen, das man die Eigenentwicklung vorantreiben wollte, dank der guten Zusammenarbeit mit Google aber darauf keinen großen Wert gelegt hat. Natürlich, wozu auch wertvolle Ressourcen verschwenden, wenn man eine Lösung für das Betriebssystem frei Haus bekommt.

Nun hat Huawei mehreren Berichten zufolge ein System mit dem Namen Ark OS zum Patent angemeldet. Man verlässt sich anscheinend nicht darauf, das die amerikanische Regierung die Sanktionen gegen Huawei bis August lockert. Mitte Mai bis eben in den August läuft eine Übergangsfrist von 90 Tagen, in denen die Handelsbeziehungen noch eher lockeren, offenen Charakter haben.

Ark OS soll auf Android Basis laufen und 100% kompatibel zu vorhandenen Android Apps sein. Also aller Wahrscheinlichkeit nach ein eigener Ableger des AOSP (Android Open Source Project).

Was wäre denn nun, wenn dieser Ableger um so viel besser ist als das original, was wenn das gesamte System viel weniger Google und wesentlich mehr Freiheit aufweist?

Huawei hätte damit die einmalige Chance als dritter Player neben Android und IOS aufzutreten.

In Gesprächen höre ich immer wieder, das Leute die Nase voll haben von der Datensammelei, die Google betreibt. Apple ist, vor allem mit den neuen Iphone XS und XR, für viele ein kleines Stück über die Kostenschmerzgrenze hinaus gegangen. Dabei sieht IOS immer noch so altbacken und konservativ aus wir seit einigen Jahren. Modern, Fancy und Hip sind anders.

Wenn Huawei an dieser Stelle einhaken würde und Glaubhaft die Sicherheit eines IOS mit den Konfigurationsmöglichkeiten eines Android zu verbinden könnte, dann wäre das ein großer Schritt für die Firma. Natürlich müsste man Klarstellen, das die chinesische Regierung nicht jedes Telefonat oder jede Nachricht mitliest, die über das Gerät verschickt werden. Das sollte man auch glaubhaft machen, aber glaubt man der Security Branche, dann ist Huawei bisher nicht durch Bugdoors oder ähnliches aufgefallen.

Der Weg zu freier Software

Die zweite dicke Chance wäre den einfachen Weg zu suchen. Huawei setzt seine Entwickler auf das AOSP an und betreibt wie bisher seinen eigenen App-Store. Software die dort nicht zu finden ist holt man sich aus dem fdroid.org Store. Damit wären dann auch viele Huawei Nutzer auf dem Weg zur Nutzung freier Software. Fdroid.org ist ein App Repository, das nur freie Software anbietet und selbst darauf aufmerksam macht, wenn eine Software unfreie Merkmale oder unfreie Dienste bewirbt. Messenger wie Telegram finden sich dort, wie auch alternative Twitter Clients oder Spiele, die Linuxfreunde von ihrem System kennen.

Somit denke ich, das Ark OS in Verbindung mit fdroid ein toller Weg wäre, der einige Nutzer in das Feld der freien Software führen würde.

Wahrscheinlich ist aber, das die USA und China sich bis August einigen und deswegen keine der Optionen zum Einsatz kommt. Wir werden sehen…..

Grüße,

Michael

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(Mehr) Geld für Replicant

Die Free Software Foundation hat von der Firma Handshake eine Spende über rund 1 Mio. Dollar erhalten. Das Ansich ist schon lobenswert (Der Pineapple Fund hat ebenfalls 1 Mio. gespendet) aber Handshake hat auch angemerkt, wie es die Gelder verteilen möchte.

Was mich persönlich sehr freut ist die Tatsache, das für den Android Fork “Replicant” ca. 200.000 Dollar abfallen. Für die Weiterentwicklung und die Verbesserungen am System. Ich habe ja bereits hier erwähnt, das ich zur Zeit selbst ein Phone mit Replicant nutze. Das ist ein altes Samsung Galaxy S3, das ich geflashed habe und seitdem als meinen täglichen Begleiter nutze. Das Gerät ist von 2012. Es ist also auch auf diese Weise möglich immer neue Müllberge zu verhindern. Im Regelfall wird ein Smartphone ja alle 2 Jahre ausgetauscht. Für einen Teil der Materialien, die dort enthalten sind haben etliche Leute einen wirklich miesen Job zu machen. Stichworte sind da Sillizium und seltene Erden.

Ich gebe zu, das es gerade am Anfang..naja ein wenig schlechte Laune zwischen mir und dem Gerät gab. Das hat sich aber nach 2-3 Wochen in Luft aufgelöst und ich bin ziemlich zufrieden mit dem was ich habe. Klar ist das Gerät nicht neueste Hardware und manchmal hakt es auch und macht mal Sachen etwas langsamer als man vielleicht gewohnt ist, aber die Inhalte und die Tatsache, das dort keine Systeme in “Hintergrund” arbeiten gefällt mir sehr gut. Ja, ok…und es gibt keinen Wlan Treiber..who cares.

Nochmal zum Anfang: Mir fehlt bei solchen Spenden immer die Dimension. Wenn jemand eine Idee hat, ob 200.000 $ ein solches System weiterbringen oder nicht der möge sich bitte mal melden. Sicher ist nur, das dieses Geld nicht schadet und genau an der richtigen Stelle eingesetzt wird.

Ich freue mich schon auf neue Versionen oder eben auch Verbesserungen am System.

Links:

Blogpost von Richard Stallman

https://www.fsf.org/blogs/community/a-message-from-richard-m-stallman

1 Mio. Dollar von Handshake:

https://www.fsf.org/news/free-software-foundation-receives-1-million-from-handshake

Replicant:

https://replicant.us

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Die elektronische Gesundheitsakte auf dem Smartphone

Wie ich bereits Ende November vermutet habe, war die Gesundheitsapp der Krankenkassen “Vivy” Thema auf dem 35C3. Das ist der jährliche Kongreß des Chaos Computer Clubs zwischen Weihnachten und Silvester. In den letzten Jahren gab es dort immer wieder Vorträge zu Themen, die weit stärker in den Alltag eingreifen als man normalerweise annimmt.

Die Sicherheit der Ladesäulen für E-Autos war Thema, PC Wahl, die Software mit der unsere Wahlzettel nach der Bundestagswahl etc. übertragen werden und jetzt eben “Vivy” die elektronische Gesundheitsakte, die nach dem E-Health Gesetz 2021 zur Pflicht werden soll.

Im Logbuch Netzpolitik Podcast gab es dazu einen kleinen Abschnitt der bereits auf das Thema und die Brisanz die darin steckt hinwies. Hier noch der Link zu einem zweiten Bericht bei Logbuch Netzpolitik.

Um es kurz zu machen, die App scheint nicht die Sicherheit zu bieten, die man bei Patientendaten erwartet. Die Hersteller der App haben zwar in einigen Punkten nachgearbeitet, aber im großen und ganzen ist das Vertrauen in diese App mit dem Vortrag und den dort vorgestellten Lücken verschwunden.

Dazu kommt noch eine Grundsätzliche Frage bei mir auf:

Muss man denn Krankendaten überhaupt auf einem Smartphone mit sich herumtragen? Gerade im Android Segment gibt es zu viele Geräte, die einfach keine Security oder Betriebssystem Updates erhalten und damit pauschal als unsicher gelten. Und diesen schlecht gesicherten Maschine will/soll man nun hoch intime Daten speichern? Ich denke mal, dabei habe nicht nur ich ein schlechtes Gefühl.

Aktuell nutze ich ein Replicant Smartphone, das sich komplett aus freier Software speist und ebenso komplett ohne Google Dienste auskommt. Meine Apps beziehe aus dem F-Droid Repository, da kommt “Vivy” aber gar nicht erst rein, weil es nicht komplett (nicht mal in Teilen) frei ist.

Auch gibt es ja immer wieder Bedenken gegen Hardware Hersteller. Huawei zum Beispiel ist in einigen Ländern (z.B. USA) auf der No-Go Liste oder darf dort gar nicht verkauft werden. Da kann man eher wirtschaftliche Interesse vermuten, aber Fakt ist nunmal, das es Länder gibt die diese Hardware als unsicher einstufen. Huawei hat auch in Deutschland genug Geräte an den Kunden gebracht. Die diese dann mit ihren Patientendaten befüllen sollen. Wo bleibt denn da der Sicherheitsgedanke oder sind wir in der Zwischenzet so weit, das uns solche Sachen egal sind?

Ich denke auf jeden Fall, das man schnell anfangen sollte sich Gedanken zu machen wie und für welche Zwecke man Technik nutzen will. Zum Thema Gesundhetsakte habe ich noch einige Links zusammengestellt, die weitere Informationen bereit halten.

Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e-health-gesetz.html

Vortrag zu “Vivy” auf dem 35C3

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Einstieg in freie Software

Ok, man kann das ganze angehen wie man will, aber wenn jemand meint, das er freie Software
benutzt, nur weil sie nichts kostet (Gratis ist), dann ist derjenige schonmal ziemlich falsch
gewickelt. Ja es stimmt, freie Software ist in den meisten Fällen kostenlos, aber das macht es
nicht zu freier Software. Diese bezieht sich nämlich auf die 4 Freiheiten, die als Grundsatz
für freie Software gelten.

0. Du kannst das Programm benutzen wie Du magst.
1. Du kannst das Programm studieren und dir seinen Quellcode anschauen.
2. Du kannst das Programm an Freunde weitergeben, damit auch sie damit arbeiten können.
3. Du kannst das Programm verbessern/für dich anpassen und es in dieser Version weitergeben.

Das sind die 4 Freiheiten. Sie stellen sicher, das der Nutzer das Programm kontrolliert und nicht
umgekehrt. Frei hat also in diesem Zusammenhang nichts mit Gratis zu tun, sondern eher mit Regelungen
die beim verteilen dieser Software bedacht werden müssen.

Und dann sitzt man das, sagt sich das man nur noch freie Software benutzen will. Man wird von dem
Angebot an Linux Distributionen und Software quasi erschlagen. Eigentlich hat man keine Idee wo man
anfangen soll und da sind dann auch schon die ersten Probleme.

Welche Distribution?

Eines ist mal klar, die Distribution mit der man anfängt ist auch häufig die, bei der man immer wieder landet.
Man sollte sich wirklich mal umschauen. Von Ubuntu über Debian zu Arch und Mint gibt es einfach eine große Auswahl an “Linux Versionen”. Einen guten Überblick, vor allem für komplette Neueinsteiger, bietet https://distrowatch.com. Dort gibt es unter anderem die Distributions-Download-Charts. Meisten sind die vorderen Plätze mit Systemen belegt, die ziemlich Einsteigerfreundlich sind. Also wenn man gar nicht weiss was man machen soll, dann nimmt man dort einfach den Platz 1 und freut sich auf seinen Einstieg in eine andere Welt. Wer das nicht will, dem empfehle ich Ubuntu. Das System ist einfach gut, man kann schnell damit arbeiten und bei der Konfiguration ist man nicht gezwungen irgendwelche Experimente auf der Konsole zu machen. Für ein einfaches Office mit Internet und Mail braucht man nach der Installation weniger als 60 Minuten….versprochen.

Wer von vornherein die reine Lehre und nichts anderes aktzeptiert, der sollte sich auf https://gnu.org umschauen. Dort findet man eine Übersicht von GNU/Linux Distributionen, die völlig nur und ohne irgendwas auf freie Software setzen. Da gibt es keine Möglichkeit einen unfreien Treiber oder ähnliches nachzuladen. Programme die unfrei sind tauchen dort nicht in den Repositorys (sowas wie der Google Play Store oder der App Store von Apple) auf. Das kann manchmal nerven, weil wenn ich z.B. Skype benutzen…naja sagen wir mal MUSS, dann muss es eben Skype sein und nicht eine Alternative.
Diese wird man aber bei den Distributionen auf der Liste von gnu.org nicht finden. Sowas kann ein Problem sein, das kann aber auch unglaublich spannend sein, wenn man eine Software Welt entdeckt, die man vorher nicht kannte.

Bei mir war es damals die Musik. Da habe ich eine Welt entdeckt (bei mir waren es Hard Rock und Metal) bei der ich alle Spielarten, alle Varianten und jede Ecke dieser Musik ausloten wollte. Bei freier Software war es ähnlich. Auf einmal gab es eine Welt weit Jenseits von Windows und Co in der man sich erstmal alles so zurecht rücken konnte, wie man es brauchte. Ich habe damals ein paarmal gesagt, dass das Betriebssystem den Charakter seines Nutzers bekommt. Man passt es so an wie man es haben will.

Damit will ich eigentlich auch nur sagen, das es auch Spaß macht, sich ein wenig umschauen. Freie Software bietet so viele Möglichkeiten, das man sich das mal in aller Ruhe geben sollte um dann zu entscheiden, wie es mit dem eigenen Rechner weitergeht. Zurück in diese verkorkste unfreie Welt kann man immer noch, aber warum nicht auch mal die frische Luft atmen, die andere Systeme bringen?

Grüße,
Michael

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Security made in Niedersachsen

Das niedersächsische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und  Ordnung soll geändert werden.

Also eigentlich soll nur die Überwachung eines jeden einzelnen ausgebaut werden. Hmm, nicht toll, deswegen möchte ich auf diesem Weg mal darauf hinweisen und natürlich hoffen, das möglichst viele Leute am 08.09. den Weg nach Hannover finden um dort zu zeigen, das man so ein Gesetz eigentlich nur bringen kann, wenn man die alten Stasi-Kader so richtig neidisch machen will.

1. Der Gesetzentwurf des Landtages (schwere Kost – PDF)

2.  Gesetzentwurf erklärt für Alle (leichtere Kost, schwer verdaulich wegen Inhalt – PDF)
3. Stellungnahme von Netzpolitik.org

4. Stellungnahme des Chaos Computer Clubs
5. Aufruf zur Demo am 08.09.2018 in Hannover

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